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Dienstag, 21. Mai 2013

Neumarkter Nachrichten, 07.09.11, "Anverwandlungen sind keine Plagiate" (Uwe Mitsching)

Weidener Max-Reger-Tage zeigen den Komponisten als Barbeiter - Bach am Anfang

Zwischen den Wurzer oder Speinsharter Sommerkonzerten, dem Wernberg-Köbitzer Orchester- und Chorfestival oder solchen Events wie dem Burg Wernberger Brautkleiderball (Eintritt: 109 Euro) sind die Weidener Max-Reger-Tage das Schwergewicht unter den Festivitäten im "kulturschutzgebiet Oberpfalz".

WEIDEN - Auch wenn das Eröffnungskonzert in der schönen Max-Reger-Halle (als Vorbild für Neumarkt ein paar Nummern zu groß) gerade mal halb voll war, drei Wochen lang hievten Konzerte, Vorträge, Meisterkurse und sogar ein Gastspiel in der italienischen Partnerstadt Macerata, die sommers ihre eigenen Opernfestspiele hat, Weiden in den internationalen Festspielkalender.

"Anverwandlungen - Max Reger als Bearbeiter und Herausgeber", heißt das Motto, und im Programmheft steht: "Alle Komponisten sind doch mehr oder weniger geschickte Diebe", Max Reger setzt vier Ausrufezeichen dahinter. Sieben solcher "Anverwandlungen"-Konzerte gibt es. Angesichts von 200 Seiten im chronologischen Werkverzeichnis allein mit solchen "Verwandlungen fremder Werke" geht dem Festival der Stoff so schnell nicht aus.

Von der Renaissance bis zum Walzerkönig, Reger hat durch das Abschreiben, Bearbeiten die Werke anderer Komponisten kennen gelernt, sich "einverleibt" oder Lieder durch eine Orgelbegleitung in den Kirchenraum geholt. Was auch immer der  Anlass gewesen sein mag: Reger bearbeitet Bach, Reger bearbeitet Schumann, Reger bearbeitet gelegentlich auch sich selbst.

Die Eröffnung des Festivals durch Bürgermeister Jens Meyer war geprägt von ein bisschen viel provinzieller Überschätzung. Also hatte es die erste "Anverwandlungen"- Ausgabe schwer, diese höchstgesteckten Ankündigungen auch einzulösen. Aber das Konzept war tragfähig, und die jungen Leute vom Kammerorchester Karlsruhe unter dem Reger-Spezialisten Nachum Erlich waren konzentirert und klangschön bei der Sache. Regers Bearbeitung eines Bach-Choralvorspiels gelang in exakter Intonation und in schwelgerischer Jahrhundertwende-Klangfülle als Symbiose zweier Zeitstile.

In sattem Klang

Noch interessanter geriet die Reger-Transskirption der beiden Konzerte BWV 1060 und 1061. Der Münchner Musikhochschulepräsident Siegfried Mauser, der sich rührend der niederbayrisch-oberpfälzerischen Musikbemühungen animmt, setzte sich mit Uta Hielscher an die beiden Steinways und zog mit den Reger-Fassungen gegen die "Historische Aufführungspraxis" zu Felde: richtig dick im Klang von Regers Zeit - ein Weg, den die letzten Jahrzehnte mühsam wieder rückgängig gemacht haben.

Höchst interessant, welche Bach-Bilder sich da im vergangenen Jahrhundert gegenüber standen. Die beiden Pianisten ließen es an hinreißend-romantischer Emphase nicht fehlen, an viel Pedal, wuchtigen Akkorden und breit hingelagerten Gefühlen: eine Aufführung mit Seltenheitswert, aus Bachs Klavier- wurden schier Reger-Orgelkonzerte. Genau das dürfte Reger an dieser Arbeit interessiert haben. Oder auch die Investition einer guten Portion Mendelssohn in eine Corelli-Sonata für Violine und Orchester, die Erlich mit virtuoser Geste und trauerumflort spielte.

Ein besonderer Schwerpunkt dieser Reger-Tage liegt bei den Liedbearbeitungen. Da mag es Reger bei Schubert mit Orchesterbegleitung um zusätzliche Klangfarben und mehr dramatische Impulse gegangen sein, um bedrohlichen Trommelwirbel und romantischen Hörnerklang im "Erlkönig", aber mit solchem Opernaplomb konnte die Sopranistin Anna-Lena Denk der balladesken Ausdruckskraft des Schubert-Orginals nichts Entscheidendes hinzufügen - höchstens ein Prise "Walküre".

Das Festivalprogramm bringt bis zum 23. September noch eine Menge "echten" Reger: etwa am Donnerstag mit dem Trio Lieto oder am Samstag einen viereinhalbstündiges Klaviermarathon mit sechs Pianisten - da lohnt die Fahrt.

(Uwe Mitsching)

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