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Samstag, 18. Mai 2013

Nordbayerischer Kurier, 06.09.11, "Ein großer Interpret anderer Meister: Reger einmal anders" (Wolfram Graf)

Viel Beifall für das außergewöhnliche Eröffnungskonzert der 13. Weidener Max-Reger-Tage

WEIDEN

Das klang dann doch nach Kuriosum: Zur Eröffnung der Max-Reger-Tage im oberpfälzerischen Weiden stand kein einziges Orginalwerk des Festival-Namensgebers auf dem Programm. Ganz so dramatisch, wie sich anhört, fiel der Start dann aber doch nicht aus. Denn gemäß dem Festival-Motto "Anverwandlungen" erklang ein breit gefächerter Reigen von Werken, vom Barock bir zur Romantik, die allesamt in Form von Bearbeitungen aus Regers Kompositionswerkstatt stammen.

Über zweihundert transkribierte Stücke weist das Verzeichnis des spätromantischen Meisters auf. Damit existiert eine enorme Anzahl an Kompositionen, die Reger "aktualisierend interpretiert bearbeitet hat", wie Siegfried Mauser in seinem ebenso launigen wie tief schürfenden Eröffnungsvortrag zum Thema "Wie zeitgemäß ist ein Zeit?" erläuterte. Mauser selbst trat an diesem Abend nicht nur in seiner Funktion als künstlerischer Beirat der Veranstaltungsreihe auf, sondern auch als glänzender Pianist in zwei Doppelkonzerten Johann Sebastian Bachs für zwei Klaviere und Orchester in der Überarbeitung von Reger. Als sensible und ausdrucksstarke zweite Pianistin gesellte sich ihm die in Tokio geborene Uta Hielscher hinzu, beide wurden vom Kammerorchster Karlsruhe unter der Leitung des Violin-Professors und Dirigenten Nachum Erlich begleitet.

Die Eingriffe Regers in die Bach'schen Partituren erhoben die kammermusikalisch angelegeten Cembalokonzerte zu monumentalen symphonischen Gebilden. Die kraftvolle Interpretation aller Beteiligten machte so recht deutlich, wie Reger in seiner Bach-Auffassung die Werke in eine flächige und gleichzeitig dynamisierende Klangebene übersetzte - ein im besten Sinne ungewohntes Hörerlebnis. Johann Sebastian Bachs "O Mensch, bewein dein Sünde groß" in einer Streichorchetserfassung Max Regers hatte das Konzert eröffnet. Die jungen Karlsruher Musiker interpretierten die Partitur dieses Choralvorspiels, in der Reger die Kraft der Bach'schen Stimmführung noch herausarbeitet hatte, so einfühlsam wie treffsicher.

Symphonische Größe

Für zwei Lieder-Gruppen erweiterten Holz- und Blechbläser das Streichensemble zu symphonischer Größe. Zunächst erklangen die drei berühmten Schubert-Klavierlieder "Erlkönig", "An den Mond" und "Gretchen am Spinnrad" in Regers Orchesterbearbeitung. Anna-Lena Denk glänzte bei den Schubert-Liedern mit ausdrucksstarkem lyrischen Sopran. Wenn sie auch in lauten Passagen an ihre grenzen stieß und im Gesamtklang etwas unterging, vermittelte sie doch die teils dramatischen, teils innigen Inhalte überzeugend. Stärker gelang ihr dies noch mit Regers Bearbeitungen der Brahms-Lieder "Wir wandelten", "Immer leiser wird mein Schlummer" und "Meine Liebe ist grün".

Regers Fassungen der "La Folia"-Variationen von Arcangelo Corelli sind kaum mehr als Werke barocken Ursprungs zu erkennen - so stark griff Reger ein, in der mehr Stimmen hinzufügte, Harmonien erweiterte und sie so in ein kleines Violinkonzert verwandelte. Nachum Erlich glänzte im diffizilen Solopart an der Violine, gleichzeitig sein hervorragend zusammengestelltes Ensemble leitend. So war dann kurioserweise doch viel Musik Max Regers zu hören, ohne das auch nur eines seiner Originalwerke erklungen wäre. Das Publikum in der gut besuchten Max-Reger-Halle war von dem außergewöhlichen Programm begeistert und beklatschte die Interpreten ausgiebig - ein gelungener Auftakt der diesährigen Max-Reger-Tage Weiden.

INFO Die Max-Reger-Tage Weiden dauern noch bis zum 22. September. Das nächste Konzert ist am Donnerstag, 8.September, um 19 Uhr im Alten Rathaus, Weiden: ein Kammermusikabend mit dem Trio Lieto und der Pianistin Katsura Mizumoto.

(Wolfram Graf)

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